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Idealternativoll.

Er konnte nur sagen, daß er sich von dem, was er eigentlich hatte sein wollen, weiter entfernt fühlte als in seiner Jugend, falls es ihm nicht überhaupt ganz und gar unbekannt geblieben war.

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Noobfessionaliteit.

Jeder Mensch denkt ursprünglich über das ganze Leben nach, aber je genauer er nachdenkt, desto mehr engt sich das ein. Wenn er reif ist, hast du einen Menschen vor dir, der sich auf einem bestimmten Quadratmillimeter so gut auskennt wie in der ganzen Welt höchstens zwei Dutzend anderer Menschen, der genau sieht, wie alle Menschen, die sich nicht so genau auskennen, Unsinn über seine Angelegenheit reden, und sich doch nicht rühren darf, denn wenn er seinen Platz nur um einen Mikromillimeter verläßt, redet er selbst Unsinn.

Ulrich in R. Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Die Familie(n[ähnlichkeit]) der Liebe(n[den]).

Und so hängen auf diese Weise wohl auch die hundert und ein Arten der Liebe zusammen, über die Agathe und ich nicht ganz ohne Kummer gescherzt haben. Die Frage, wie es kommt, daß so ganz Verschiedenes mit dem einen Wort Liebe bezeichnet wird, hat die gleiche Antwort wie die Frage, warum wir unbedenklich von Eß-, Mist-, Ast-, Gewehr-, Weg- und anderen Gabeln reden! Allen diesen Gabeleindrücken liegt ein gemeinsames <Gabeligsein> zugrunde; aber es steckt nicht als ein gemeinsamer Kern in ihnen, sondern fast ließe sich sagen, es sei nicht mehr als ein zu jedem von ihnen möglicher Vergleich. Denn sie brauchen nicht einmal untereinander alle ähnlich zu sein, es genügt schon, wenn eins das andere gibt, wenn man von einem zum anderen kommt, wenn nur Nachbarglieder einander ähnlich sind; entferntere sind es dann durch ihre Vermittlung. Ja, auch das, was die Ähnlichkeit ausmacht, das die Nachbarn Verbindende, kann in einer solchen Kette wechseln; und so kommt man ereifert von einem Ende des Wegs zum andern und weiß kaum noch selbst, auf welche Weise man ihn zurückgelegt hat.

Robert Musil: Der Mann Ohne Eigenschaften II.

Quod erat placendum.

Was erscheint verschiedenartiger als zum Beispiel die Freude über eine elegant gelöste mathematische Aufgabe und die über ein gutes Mittagessen! Und doch sind diese beiden Freuden als reines Gefühl ein und dasselbe, nämlich Lust!

Robert Musil: Der Mann Ohne Eigenschaften II.

Die Übereinstimmungsmaschine L.

«Aber es gibt doch zum Beispiel allgemein herrschende Meinungen?» fragte Agathe in der Absicht mit ihrem Bruder Schritt zu halten.
«Und da sagst du es selbst!» entgegnete Ulrich. «Herrschende! Da es nötig ist, daß wir übereinstimmen, sind natürlich unzählige Einrichtungen vorhanden, die es äußerlich besorgen und innerlich vortäuschen. Sie gehen nicht immer fein zu Werke, um uns Menschen eines Sinnes zu machen. Suggestion, Gewalt, Einschüchterung, Gedankenlosigkeit, Feigheit und ähnliches spielt keine ganz kleine Rolle dabei. [...]»

Robert Musil: Der Mann Ohne Eigenschaften II.

Lovledge.

Beide Widersprüche sind immer vorhanden und bilden ein Viergespann: Man liebt einen Menschen, weil man ihn kennt und weil man ihn nicht kennt; und man kennt ihn, weil man ihn liebt und man kennt ihn nicht, weil man ihn liebt.

Robert Musil: Der Mann Ohne Eigenschaften II.

April, April, April, April.

Denn die Weltgeschichte ist mindestens zur Hälfte eine Liebesgeschichte!

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften II.

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