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Meergalomantropa.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Zivilisationsbruch des Ersten Weltkriegs, war das Mittelmeer Projektionsfläche für Utopien. 1933 wurde in Nizza das „Centre Universitaire Méditerranéen“ gegründet und der Dichter Paul Valéry zum Präsidenten gemacht. Atlantropa hieß das Projekt des Schwabinger Architekten Herman Sörgel, der durch den Bau von Staumauern den Mittelmeerspiegel um 120 Meter senken wollte, um so Afrika mit Europa zu verschmelzen.

Er verstand sein Projekt als Beitrag zum Weltfrieden, es sollte Afrika davor bewahren, als reiner Rohstofflieferant zu enden. Das Projekt fand großen Zuspruch, Sörgel wurde von der New Yorker Weltausstellung 1939 eingeladen. Die Nazis machten dem Projekt ein Ende. Das „Centre Universitaire Méditerranéen“ in Nizza gibt es zwar noch, es ist aber bedeutungsarm.

Doris Akrap: Europas vernachlässigtes Zentrum: Das Meer in der Mitte (taz.de 2019-08-21)